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Montag, 20. Mai 2013

Erstgestaltung einer Feldulme (Ulmus minor)

Diese Ulme fand ich wegen der Stammbewegung und dem alten Stamm ganz interessant. Leider hat sie nach unten zum Wurzelansatz hin eine einseitige Verjüngung, sowie knotige Verdickungen, weil der Vorbesitzer viele Äste an einer Stelle hat wachsen lassen. Diese Eigenschaften kann man aber durch Abmoosen und Neuaufbau des gesamten Baumes verbessern. Wenn man einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren einplant, kann daraus vielleicht ein einigermaßen ansprechender Baum werden.







So kam der Baum bei mir an. Nach dem ersten Rückschnitt hatte der Vorbesitzer dem Wachstum freien Lauf gelassen, um eventuell eine Besenform zu gestalten. Mir schwebte aber eher eine frei aufrechte Form vor.









Hier ist zu sehen, das der Baum an den Stellen, wo Äste und Zweige entspringen, "verknubbelt" ist. Da so etwas in der Zukunft nie und nimmer verwächst, sollte hier so früh wie möglich gegengesteuert werden. Also muss radikaler zurückgeschnitten werden, als ich ursprünglich geplant hatte. Mit Blick in die Zukunft aber ist dieser Schritt notwendig, um eine schöne Linie von Stammansatz bis zur späteren Spitze zu bekommen.




Der dicke, nach oben wachsende Ast wurde komplett entfernt, der rechte sollte als Hauptast verbleiben. Der Zweig, der an diesem Knick nach oben wächst, sollte als neue Spitze aufgebaut werden. Da der Knubbel jedoch weg musste, musste dieser mit entfernt werden. Der Ast, der hinter dem alten Knubbel entspringt, wird als 2. Ast aufgebaut werden.












Die Knubbel im Detail. Das würde auf ewig häßlich bleiben.







Der Knoten wurde komplett zurückgeschnitten, was den Baum nun auf die ersten Äste links und rechts reduziert. An der Biegung des 2. Astes befinden sich schlafende Knospen, wo die neue Spitze entsehen wird. Diese werde ich zurück nach links neigend gestalten, so daß sich eine schöne Stammbewegung entwickeln sollte.






















Mal schauen, ob etwas draus wird :) Nun steht er in einem größeren Topf, damit er sich frei entfalten kann. Den Rest werden die Jahre vorgeben.



Samstag, 2. März 2013

Neugestaltung einer Birkenfeige (Ficus benjamina `pandora`)

Hallo liebe Bonsaifreunde,

nach einiger Pause möchte ich Euch heute die Neugestaltung eines Ficus benjamina `pandora` zeigen.

So sah der Kleine noch diesen Sommer aus, gut erholt vom letzten Umtopfen:



Ich entschied mich, die frei aufrechte Form herauszuarbeiten, da eine Besenform wegen des durchgängigen Stammes nicht so richtig passte. Der Stamm ist auch noch dünn und biegsam genug, um ihm eine neue Form zu geben.

Da im Winter weniger Blätter vorhanden sind, ist das eine gute Zeit zum Drahten, da der Überblick über die Aststruktur recht gut ist. Die Tage werden länger, so daß der Baum dann auch anfangen kann, neue Blätter zusammen mit dem neuen Aufbau zu bilden.

Zuerst wurde der Hauptstamm gedrahtet, dann die Äste von unten nach oben:






Zuerst habe ich eine kleine Biegung nach links gestaltet, die dann am ersten Ast, dem späteren Hauptast, nach rechts gelenkt wurde. Vom 2. Ast aus wurde der Bogen zurückgeführt nach links. Hieraus ergaben sich sich Äste, die entfernt werden können, als erstes der gegenüber dem 2. Ast, da er innen liegt. An Biegungen sollten Äste immer außen liegen, das dient der Ästhetik ebenso wie dem Vorteil des besseren Lichteinfalls, da die Biegung keinen Schatten auf den Ast werfen kann. Danach kam der kleine Ast rechts über dem Sekundärast dran, dann der darüber, da als nächstes ein Ast für die Tiefe folgen soll und ich einen für rechts ja schon unten drunter habe.







Jetzt ist eine größere Lücke entstanden, jedoch wird der Schwung und die Astellung am Ende der Gestaltung noch angepasst, dann wird die Entfernung kürzer werden. Platz für die spätere Verzweigung brauchen wir auch noch.

Nun haben wir also einen Ast links, einen rechts, und einen für die Tiefe. Naja, eigentlich erstmal 2, so wird der Stamm ein wenig schneller dicker und ich kann später immer noch entscheiden, den Stammverlauf anzupassen, da ich eine Auswahlmöglichkeit mehr habe.


Die Spitze ist durch das Biegen zusammengestaucht und recht unübersichtlich, Hier können Äste rausgenommen werden, die Biegung entschärft oder Äste natürlich durch Drahten neu positioniert werden.


Der dicke Ast auf der Innenseite ist fehl am Platze, ich habe die Biegung aufgelockert und eingedreht, um die Position anzupassen. Dabei ist mir der Stamm an einer Astbiegung eingerissen:



Auf der anderen Seite ist hoffentlich noch geügend Saftfluß vorhanden, damit der Ast nicht abstirbt und die Wunde verheilt. Da diese Art im oberen Bereich aber recht gut nachtreibt, ist das auch im anderen Fall verschmerzbar. Trotzdem ärgerlich!

Der Zwischenstand:



Einige Feinheiten werden noch herausgearbeitet. Die Positionierung der Äste und Zweige sowie das Einkürzen folgen anschließend.







Einer dieser Varianten werde ich diesen Frühling beim Umtopfen als Vorderseite wählen:



Jetzt darf er aber erstmal wieder an Blattmasse und Stammdicke zunehmen und sich frei entwickeln.




Montag, 10. September 2012

Erstgestaltung Hainbuche "Carpinus betulus"

 Liebe Bonsaiverrückte,

an diesem Baum konnte ich nicht vorbeigehen, ohne ihn einzupacken - aus irgendeinem Grund faszinierte er mich. Ich nahm in hoch, drehte ihn, stellte ihn wieder ab, lief weiter, um mir andere Bäume anzugucken. Aber das unscheinbare Ding ging mir nicht aus dem Kopf. Also nahm ich ihn mit nach Hause.

Eigentlich wollte ich ihn bis zum Frühjahr unangetastet stehen lassen, aber es packte mich doch und ich holte das Werkzeug aus dem Keller:

Der Wurzelballen füllte das komplette Tongefäß aus, ein Zeichen dafür, dass der Baum bestimmt schon über 2 Jahre nicht umgetopft wurde. Also würde ein Drahten für den Baum keinen übermäßigen Stress bedeuten, da das Umtopfen lange genug her ist und die Wurzeln ihre Arbeit ohne Einschränkungen verrichten können.

Als erstes verschaffte ich mir einen genauen Überblick darüber, was machbar ist und was ich für die Erstgestaltung erreichen möchte.

Also schaute ich mit den Baum von allen Seiten nochmal genau an.
Interessant waren der Astaufbau, es ist alles vorhanden, was eine erfolgreiche Entwicklicklung möglich machen könnte. Äste verteilt an allen Seiten, Äste für die Tiefe, und bei der Spitze werden die Astabstände kleiner als bei den unteren. Wunderbar!
Kleine Probleme gibt es natürlich auch, so gibt es an der Spitze zu dicke Äste, so dass diese in der Zukunft umgestaltet werden müsste. Dies ist aber in ein bis zwei Sommern zu erledigen.



 Der Wurzelansatz kann mittels Abmoosen nächstes oder übernächstes Frühjahr bis in den Herbst hinein verbessert werden. Das hat bei der Zelkove gut geklappt, also wird das hier auch kein Problem werden.





Diesen Knick im untersten Ast finde ich sehr aufregend. Mittels Draht werde ich ihn aber noch bearbeiten, so dass er nicht so nach oben wächst, was den Verlauf natürlicher aussehen lässt. In der Natur sind die unteren Äste i.d.R. die schwersten, so dass sie sich nach unten biegen. Mal schauen ob ich das hinbekomme!







Bei diesem Bild sieht man schön den dichten Bewuchs. Eine Verjüngung ist noch nicht richtig vorhanden, zu erkennen ist rechts der dicke, nach oben verlaufende Abschluss des Baumes. Hier habe ich kleine Zweige entdeckt, die ich für die neue Verjüngung benötige und nutzen werde.







 Nun die Ansicht der anderen Seite. Das ist für eine Spitze viel zu massiv! Und es wirkt sich negativ auf die Silhouette des Baumes aus, da es aus der aufrechten Form herausragt und diese verlagert.










 Hier habe ich einen Zweig entdeckt, der mir für die neue Spitze geeignet erscheint.









Dort setze ich an! Der Entschluss ist gefasst!















Zack! Sieht jetzt schon besser aus.














So ist die Verjüngung wenigstens schonmal simuliert... Über die Jahre wird sie durch regelmäßiges Pinzieren feiner werden.

























Nun wird der werdende Bonsai ausgelichtet.
Ich schneide Äste so ab, dass ich Knospen stehen lasse, die ich nächstes Jahr in die Gestaltung einbringen will. Hier versuche ich also schon einzuplanen, wie das Wachstum nächstes Jahr werden wird.










 Ab ist ab!






Nun folgt das Drahten. Ich drahte von unten nach oben. Schön zu erkennen ist der abgeknickte Ast, dem ich ein wenig von der nach oben gerichtete Wuchsrichtung nehmen will. So etwas akribisch zu drahten ist schwierig, gerade für Anfänger wie mich. Also einfach machen. Ich hoffe, die Drahtstärke reicht aus.









Abenteuerlich, aber zweckmäßig.












Nun gebe ich dem Ast die gewollte Richtung, vorsichtig, Stück für Stück.


Die Biegung wird durch den Draht fixiert und gehalten. Der Druck auf den Ast ist groß, ich glaube aber, da im Herbst und Winter keine Wachstumphase ist, dass sich der Ast nicht verdickt und keine Druck- und Einwachsstellen entstehen. Im Frühjahr wird der Draht entfernt, und die Position sollte fix sein.








Ich benutze den Draht auch für den dünnen Zweig. Das ist nicht ganz so einfach, da der Ast bei falscher Technik brechen kann. Eigentlich nimmt man hier dünneren Draht. Da es sich hier aber beim Wickeln automatisch ergab, lass ich das erstmal so.









Damit das Ganze auch wirklich hält, wickle ich parallel noch zusätzlich Draht mit einem kleineren Durchmesser. Buchenäste sind sehr schwer zu biegen, merke ich gerade -auch bei kleinerem Durchmesser - also gehe ich auf Nummer sicher.








Den linken und rechten Ast habe ich verbunden, und den rechten auch doppelt gedrahtet. Ich möchte ihn nach unten biegen, so ist es auch bei alten Bäumen in der Natur zu beobachten.











Nicht hübsch der Draht, aber auf das Endergebnis kommt es an! Wenn er rechtzeitig weggenommen wird, sind keine Spuren mehr zu erkennen.









Das Drahten wird fortgeführt.
Draht parallel zu führen fordert Fingerspitzengefühl.
Das muss ich noch verfeinern :)















Das vorläufige Ergebnis. Den 2. Ast links habe ich an der Basis nach hinten gebogen, dann an der Spitze wieder nach vorne, um Tiefenwirkung zu erzeugen. Der nächste Ast rechts kommt ein wenig nach vorne, der Ast obendrüber sorgt für die weitere Tiefenwirkung.


















Ein Beispiel dafür, wofür eine Auslichtung auch gut sein kann, zeige ich hier. Das Blattwerk ist zur Anbringung eines Drahtes zu dicht.









Nun ist der Astverlauf klarer zu erkennen und es ist genug Platz, den Draht zu führen.





















Diese zwei Äste entspringen an einem Punkt, was als Nachteil ausgelegt werden kann.
Ich versuche, sie an der Basis näher aneinander zu bringen, und einen dann für die Tiefenwirkung und einen als seitlichen Ast zu benutzen. Das heißt, an der Basis werden sie zusammen geführt und an der Spitze wieder auseinander.


 
























Draht in allen Stärken sollte immer genug zur Verfügung stehen.













Das Ganze von oben betrachtet.


















Die Spitze ist, wie anfangs auch erwähnt, noch nicht ausgereift. Diese 2 Äste entspringen an einem Punkt und sind genauso Dick wie der erste Ast unten. Hier wurde der baum mal abgeschnitten, um die Höhe zu definieren. Die Astdicke sollte optimalerweise von unten nach oben abnehmen, wie es in der Natur bei älteren Bäumen auch zu beobachten ist.
Da es sich aber um Rohmaterial handelt, dass erst in 10 Jahren als Bonsai bezeichnet werden kann, habe ich genug Zeit, alles zu Verfeinern.










Die Spitze von vorne im Detail.
















Und ein wenig von der Seite. Ich habe die Spitze am Ende noch veändert, aber kein Photo mehr davon. Eigentlich muss sie noch kürzer werden.











Nun ist die vorläufige Gestaltung beendet. Nächstes Jahr werde ich die Verzweigung gezielt fördern und den Baum umtopfen, und auch die Wurzeln auflockern.




Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt!

Ich habe heute per Zufall ein Bild entdeckt, wie ich das in Zukunft gerne ungefähr hinbekommen würde:


Ob das klappt?

Ich halte Euch auf dem Laufenden!

Viele Grüße

André